»MALEREI IST NACHAHMUNG DER NATUR, DER SIE IHRE STOFFE ENTLEHNT, ABER SIE BLEIBT OHNE DIE SCHÖPFERISCHE PHANTASIE GEISTLOSE KOPIE. ERST DIE PHANTASIE KANN DIE LEINWAND BELEBEN, SIE MUSS DEM MALER DIE HAND FÜHREN, SIE MUSS IHM IM WAHREN SINNE DES WORTS BIS IN DIE FINGERSPITZEN ROLLEN. OBGLEICH UN- SICHTBAR, IST SIE IN JEDEM STRICHE SICHTBAR, FREILICH NUR FÜR DEN, DER AUGEN HAT ZU SEHEN, NUR FÜR DEN, DER SIE EMPFINDET.«

Max Liebermann | 1847-1935 | deutscher Maler des Impressionismus

PROLOG

Die Art und Weise wie sich im Kopfe eines Künstlers die Welt widerspiegelt, das macht seine Künstlerschaft aus. Die koreanische Künstlerin Jungmin Park erfasst nicht das Äußere, wie es ist, sondern, wie es ihr erscheint. Auf ihrer Lebensspur sammelt sie Eindrücke, Erlebnisse und Erinne- rungen und sichert viel davon in Ihrem Inneren. Die Farben, die ihre Ölmalereien auf Leinwand und Papier durchfluten, bestimmen die Kompositionen, in denen flüchtige Augen- blicke, ungewohnte Perspektiven, akribisch erarbeitete De- tails, technische Gewandtheit und geistreiche Einzelheiten stecken.

Menschen lieben die Illusion, in einer stabilen Umwelt zu leben. Jedoch das Sein unterliegt einem ständigen Wan- del. Es ist von Werden, Vergehen und Zufall bestimmt. Ein vortre iches Sinnbild dieses Gedankens ist das ständig in Veränderung begri ene Element Wasser. Wasser ist der Ursprung des Lebens und betri t sowohl die Existenz der Fauna und Flora als auch die Zukunft der Menschheit und

ihres Planeten. Seit spätestens dem 18. Jahrhundert gilt das Meer als Symbol des Erhabenen und als Spiegelbild der Selbstdeutung des Menschen. Bei Johann Wolfgang von Goethe gleicht die Seele des Menschen dem Wasser, eben- so bei Charles Baudelaire. Und das heraklidsche Prinzip des »panta rhei«, des »alles fließt«, wird im 19. Jahrhun- dert wieder neu entdeckt. Das fließende Wasser, das den Verlauf der menschlichen Existenz verkörpert, ist Symbol vergehender Zeit. Wasser ist folglich eine Substanz der unendlichen Reflexion. So ist es nicht verwunderlich, dass Meere, Seen, Flüsse und Bäche seit jeher ein unerschöpfli- ches Thema in der Kunst sind. Das tri t auch für das künst- lerische Scha en von Jungmin Park zu. Schon seit vielen Jahren wertschätzt die Künstlerin jenes Sujet. Für sie ist Wasser ein »Gegenstand«, dem sie auf di erenzierte Wei- se begegnet. Die ästhetische Umsetzung, die durch die sub- jektive Sichtweise der Malerin bestimmt wird, erö net ganz innovative Blicke auf das Allerweltselement Wasser. ….. (TEXT UND REDAKTION: Dr. Diana Lenz-Weber )